Sehr geehrter Herr Hesse,
vielen Dank für Ihre e-mail.
In Vertretung meines Chefs, Herrn Professor Dr. Loew, darf ich
Ihnen kurz unsere Einschätzung der Situation der Peritonealdialyse
mitteilen - nicht ohne Ihnen für Ihr Engagement grundsätzlich im
Voraus zu danken!
Peritonealdialyse(PD) und Hämodialyse (HD, letztere in Ihrer
konventionellen Form von etwa 3x4-5 Stunden/Woche) weisen
vergleichbare Ergebnisse bezüglich Patientenüberleben und
Lebensqualität insgesamt auf mit einem kleinen Vorteil der PD in
den ersten beiden Jahren. Dann gibt es das Problem des technischen
Überlebens an PD mit der Notwendigkeit, zunehmend häufig auf HD
umstellen zu müssen.
Besser als PD und HD sind Nierentransplantation (TPL) und neuere
Hämodialyseverfahren (HD-neu, z. B. tägliche Hämodialyse über etwa
2 Stunden oder Langzeithämodialyse z. B. über Nacht 3x8
Stunden/Woche) - für alle wünschenswert, aber wegen
Spenderorganmangel (TPL) oder zunächst höheren Kosten (HD-neu) erst
einmal nicht flächendeckend umsetzbar.
Lässt man den Patienten eine wirklich freie Wahl zwischen PD
und HD (nicht zu HD-neu!) entscheiden sich die Hälfte der Patienten
für PD. So gesehen, haben Sie wirklich Recht: die PD fährt in
Deutschland eine Schattendasein - und die Zahlen sind in den
letzten Jahren sogar rückläufig!
Die Ursache liegt unseres Erachtens in einer ganz einfachen
Wahrheit: Überall in der Welt wird im Regelfall das gemacht, was am
besten bezahlt wird, auch in der Medizin, auch in der Nephrologie,
und auch im Dialysebereich. Es gibt Untersuchungen, die eindeutig
belegen, das in den Ländern, in denen PD besser als HD (im gleichen
Land wohlgemerkt!) bezahlt wird, auch viel mehr PD gemacht wird -
und umgekehrt (zu dieser Ländergruppe zählt wie Sie richtig
bemerken auch Deutschland). Also dürfte es für die überwiegende
Zahl der Dialysepatienten keine wirklich freie Wahl zwischen PD und
HD geben - nicht in Deutschland, auch sonst nirgendwo auf der Welt
- solange das Entgelt nicht für beide Verfahren gleich ist.
Dies schreibe ich Ihnen nicht zur Entmutigung Ihres Projektes,
sondern um zu verhindern, dass Sie mit falschen Vorstellungen an
Ihr Projekt herangehen.
Wir selbst sind auch in Ihrem Sinne tätig: an unserem Hause haben
wir eine der drei grössten Weiterbildungsstätten für
nephrologisches Pflegepersonal in der Bundesrepublik aufgebaut, wo
wir z. Zt. knapp 50 Pflegekräfte in einem zweijährigen
berufsbegleitenden Kursus schulen (750 Unterrichtsstunden, 2400
Stunden praktischer Tätigkeit). Da erleben wir, wie wenig diese
Pflegekräfte überhaupt über PD wissen - und wir geben uns Mühe,
Ihnen eine Vorstellung über die PD zu vermitteln, da wir davon
ausgehen können, dass es sich bei diesen hochmotivierten
Pflegekräften um wichtige Multiplikatoren für die PD
handelt. Dies sieht auch die Industrie so - und deswegen
unterstützen uns die drei grössten PD-Anbieter Fresenius, Baxter
und Gambro gemeinsam bei dem diesbezüglichen Unterricht.
Mit freundlichen Grüssen
Ihr
Dr. Burkhard Sorge-Haedicke
Arzt für Innere Medizin/Nephrologie/Angiologie
1. Oberarzt der Klinik für Innere Medizin II und Nephrologie
Alfried Krupp Krankenhaus
D-45117 Essen
Tel.: 0201-4341
Fax: 0201-4342380
e-mail: burkhard.sorge-haedicke@krupp-krankenhaus.de
